Laut den Richtlinien “Guidelines for Open Educational Resources (OER) in Higher Education” (PDF), welche die UNESCO veröffetlich hat, wird die Anzahl der Studierenden von derzeit 165 auf über 260 Millionen bis im Jahre 2025 anwachsen. Da im Bildungsbereich nicht mit einer entsprechenden Erhöhung der finanziellen Mittel zu rechnen ist, wird den Hochschulen und Universitäten die Verwendung freier Lehrmittel und Software (Open Educational Resources, OER) nahegelegt.
Die Verlage indes, schlagen momentan einen anderen Weg ein: Das totale Verbot von Kopien. Das Kultusministerium in Deutschland zum Beispiel, hat Verträge unterschrieben, welche es den Verlagen erlaubt, ab 2012 Software Schulrechnern zu installieren, welche geziehlt nach Kopien und Plagiaten in den ganzen Schulnetzwerken suchen: Der Schultrojaner. Wie schon beim Bekanntwerden des Bundestrojaners, reagierten die Verantwortlichen entsprechend mit einer lapidaren Aussage: “Viel Lärm um Nichts”. Was jedoch vergessen geht ist die Tatsache, dass es sich bei dieser Software um einen Trojaner handelt, welcher vollumfänglichen Zugriff auf alle Daten der Schüler und Lehrer hat. In unseren Augen ein eklatanter Verstoss gegen die Privatsphäre und das Datenschutzgesetz. Unter keinen Umständen dürfen solche Taktiken in der Schweiz erlaubt werden! Oder wollen Sie, dass auf einmal Ihre Zensuren veröffentlich werden, inklusive aller Notizen, welche die Lehrpersonen anfertigten?
Die Verlage machen dabei auch bei den Kleinsten nicht halt: Im Jahr 2009 wurde die GEMA (das deutsche Pendant zur SUISA) auf 30’000 Kindergärten angesetzt, welche für die Kinder Noten und Kinderlieder kopierten. Die Kindergärten durften anschliessend für 65€ pro Jahr, 500 Kopien erstellen. Was jedoch verschwiegen wurde ist, dass diese Lizenz zum Kopieren nur für Werke galt, für welche der Verlag auch die Rechte hatte, nicht etwa für alle Lieder die in einem von ihm veröffentlichten Buch waren.
Der Verein Musikpiraten e.V. hatte daraufhin beschlossen, ein Liederbuch zu veröffentlichen. Pünktlich zum 1. Dezember wurde dieses mit gut 26 komplet frei verfügbaren Liedern zur freien Verwendung angeboten. Um das ganze noch zu toppen, hat der Verein entschieden, ca. 55’000 Liederbücher für 50’299 Kinderbetreuungsstätten auf Papierform zu drucken – für ungefähr 35’000 – 50’000€. Anfang Februar 2011 starteten die nicht mal 30 Vereinsmitglieder zur Finanzierug einen Spendenaufruf, welcher bis Ende Februar sagenhafte 40’000€ einbrachte.
Regierungen und Lehrende an Universitäten und Hochschulen werden nun von der UNESCO aufgefordert, dafür zu sorgen, dass Lernmittel unter einer offenen Lizenz hergestellt und veröffentlicht werden. Dies ist eine Forderung, welche wir von der Piratenpartei Thurgau Schaffhausen sehr begrüssen, denn die Bildung wird ein immer wichtigeres Gut und soll vorallem ein allgemeines und vorallem freies Gut werden. Der weitere Vorteil, von solch freien Lernmaterialien ist, dass diese auch unentgeltlich im Selbststudium genutzt werden können, ohne dafür zu bezahlen. Schreibern von Fachliteraturen, Schulbücher und Software wird also nahegelegt, ihre Werke als Public Domain oder unter einer Lizenz im Stile der Creative-Commons zu veröffentlichen. Anstelle des üblichen “alle Rechte vorbehalten” schützen solche Lizenzen die Rechte der Autoren an ihren Werken in der digitalen Welt und bieten zudem mehr Flexibilität.
Mehr zum Thema:
UNESCO: http://www.heise.de/open/meldung/UNESCO-empfiehlt-freie-Lehrmaterialien-1370467.html
Schultrojaner: http://www.datenschutz-praxis.de/fachwissen/fachnews/aufregung-um-angeblichen-201eschultrojaner201c/
Kinderlieder: http://musik.klarmachen-zum-aendern.de/kinder-wollen-singen
Revidierte Edition 8.11.2011: Korrigiert: Tippfehler